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| 30.04.06 |
Von der Sinnkrise der
Waren
Hannes Gassert |
| Das Bieler Centre PasquArt wagt sich in einer international besetzten Gruppenausstellung in die Welt der Marken - fast. | |
Der Untertitel der aktuellen Grossausstellung »Branding
im Bieler Centre PasquArt verrät Ambition: «Branding. Das Kunstwerk
zwischen Authentizität und Aura, Kritik und Kalkül» lässt
auf aktive Auseinandersetzung, klare Positionsbezüge und listige
Querverweise hoffen: auf ein mutiges Unterfangen. Ein Rundgang soll zeigen,
was von den Erwartungen übrig bleibt. Nun ist das Phänomen der Marken fraglos ein Medienphänomen. Nicht nur, dass die Allgegenwärtigkeit von Coca-Cola, Nike, Nokia & Co. ohne pausenlose ungefragte mediale Ansprache nicht denkbar wäre. Marken sind selbst zu Medien geworden: Sie stiften anbieter- wie abnehmerseitig Identität, vermitteln Lebensgefühl und -rat («Just do it», «Bacardi Feeling») und bilden damit Projektion und Projektionsfläche für grundlegende Werte, für weit mehr als blossen Kaufanreiz. Das Medium Marke nutzt nicht nur beispielhaft das gesamte Mediensystem vom Schlüsselanhänger bis zum Mega-Billboard, sondern dient als Mehrzweckträger: Coke in den Rachen, Coke in die Ohren. Das nennt sich dann »MyCokeMusic. So erstaunt denn auch der stetige Wandel von Produktmarken hin zu Medienmarken kaum: Cola, Nestle oder Apple haben längst nicht nur die Inhalte, sondern auch die Kanäle übernommen. Zu kurz gedacht
Kunstmarke «Aktiengesellschaft»
Das stille Glanzlicht der Ausstellung setzt ein anderes Werk. Auf engem Raum entwickelt die Installation «Lustmord» der New Yorker Text- und Medienkünstlerin Jenny Holzer eine dichte Atmosphäre mit Textfragmenten in LED-Laufschrift - einem ihrer «Markenzeichen». Zu lesen sind bedrückende Zeugnisse sexueller Gewalt, zerstückelte Nachrichten von Mord und Missbrauch in grell blinkenden Werbelettern. Ein drastischer «Medienbruch», prägnant und beeindruckend. Insgesamt bleibt die Ausstellung eher eine Auslegeordnung nahe am Beliebigen, denn eine schlüssig kuratierte dramaturgische Gegenüberstellung von künstlerischen Positionen im Spannungsfeld der eingangs aufgezählten Pole. Gerade die Gleichstellung von Stil und Warenzeichen scheint keine fruchtbaren Verbindungen, kein Spannungsfeld zu schaffen; die Besucherin erwartet ein origineller Setzkasten - mit durchaus spannenden Einzelexponaten. |
| Ausstellung: | «Branding. Das Kunstwerk zwischen Authentizität
und Aura, Kritik und Kalkül» Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag: 14 - 18 Uhr; Samstag/Sonntag:
11 - 18 Uhr |
| Links: | »Zur
Ausstellung «Branding» im Centre Pasquart, Biel/Bienne |