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| 14.09.05 |
Vision completed?
Annina Zimmermann |
Bereits zum 26. Mal versammelte sich die internationale Medienkunstszene in Linz zur Ars Electronica. «Net Vision» nennt sich die Kategorie des viel beachteten Wettbewerbs, die das etablierte Festival am deutlichsten am Puls der Zeit halten will. Diese Projekte können auch jene in vollem Umfang einsehen, welche die Pilgerfahrt nach Oberösterreich nicht auf sich nehmen mochten - die heuer auch noch die unterspülte Vorarlbergstrecke umfahren musste. Und welches sind denn nun die Projekte, die 2005 neue Visionen für das Internet entstehen lassen? |
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Casey Reas und Ben Fry initiierten an US-Universitäten die Entwicklung der neuen Programmiersprache «Processing», die auf www.processing.org frei erhältlich ist. Sie bietet den niederschwelligen Einstieg ins Codieren von Bildern und Animationen für Kunst, Design und Architektur. Als mittlerweile einzige Opensource-Alternative offeriert Processing den freien Download und liefert auch gleich nützliche Unterlagen zum (Selbst-)studium. Allein die Downloadfunktion hätte für eine Auszeichnung mit der Goldenen Nica in «Net Vision» wohl nicht gereicht. Das Programm, so betonten die beiden Intitianten, wird aber auf freiwilliger Basis von seinen NutzerInnen weiterentwickelt und ausgebaut. Die Community formiert sich im Internet, tauscht Erfahrungen und Feedback aus und speist eine beachtliche Beispielgalerie künstlerischer Anwendungen. Als besondere Stärken gelten der Entwurf virtueller Prototypen, der rasche Einstieg ins freie Skizzieren auch für Laien, wobei Processing auch als professionelles Grafikprogramm eingesetzt werden kann.
Die Programmierung setzt den möglichst einfach gehaltenen Code
sehr rasch in Bilder um, unterstützt aber auch besonders das Übertragen
ins Netz, selbstverständlich unter Offenlegung des Codes. Besonders
beglückt zeigten Reas und Fry sich über Aneignungen und Experimente
mit Sound, einem Bereich, in dem sie sich selber weniger auskennen. Mit
Processing wurde also ein Werkzeug ausgezeichnet, das «digital access»
fördert und dem wir verdanken werden, dass sich in Kürze noch
mehr künstlerisch, nicht technisch orientierte AutorInnen im Netz
tummeln werden. Das andere mit «Distinction» ausgezeichnete Projekt dagegen
tarnt sich in hässlicher Aufmachung. Der einzige Nachteil am Media
Hacking sei, so Lizvlx vom Autorenduo ubermorgen auf dem Podium, «dass
die Seiten immer so Scheisse aussehen.» Ihre Auktionsplattform [V]ote-Auction
zur Versteigerung von Wählerstimmen im US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf
mischte in zynischer Übererfüllung marktwirtschaftlicher Werte
Kapitalismus und Demokratie. Wir berichteten aus Anlass von ubermorgens
Besuch im Basler [plug.in]. Das Projekt stammt bereits aus dem Jahr 2000
und verdankt seine deshalb eher überraschende Auszeichnung 2005 wohl
der Ausdauer, mit der die Netzkunstinteressierten George Bush verachten. |