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| 11.11.06 |
Wilhelm Tells Reproduzierbarkeit
und ein feministischer Rollentausch
Villö Huszai |
Als zweiter Teil des Zyklus «Digitaler Dachstock»
zeigt Gastkuratorin Martina Weber im Altdorfer Haus der Kunst zwei Videos
von «code flow». Und das Künstlerkollektiv nutzt das touristische Klischee
des innerschweizer Städtchens sogleich geschickt für eine (De-)montage
via technische Reproduzierbarkeit. |
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Fast könnte erschrecken, wer auf der Anreise ins Altdorfer
«Haus für Kunst Uri» am wuchtigen Original vorbeikommt: Das Urner Tell-Denkmal
ist in Schweizer Köpfen zwar omnipräsent, das aber als Abbild, in weit
handlicherem Format. Noch bis kommende Woche zeigt «code flow» in Altdorf
unter anderem das eigens für die Ausstellung produzierte Video «altdorf sightseeing
tour - your guide: code flow». Dimitrina Sevova und Alain Kessi, das bulgarische-schweizerische
Kollektiv, leben in Zürich. Sie wenden ein Kardinalthema der Medienkunst
– die Reproduzierbarkeit – auf das gute alte Urner Städtchen und seinen
steinernen Helden an: ein verstaubtes Sujet unseres kollektiven Gedächtnisses,
medienkünstlerisch belebt. Die zwei Videos schaffen das Unmögliche: In die thematische Endlosschlaufe
der Reproduzierbarkeit noch einmal einzutreten, ohne zu langweilen, sondern
im Gegenteil geistig zu erfrischen. Dazu gehört, dass die in «luncheon
on the grass» offensiv verhandelte Gender-Thematik in dezent-indirekter
Weise auch die Wahrnehmung der Tell-Figur verändert; auf die forcierte
Männlichkeit des Altdorfer Wahrzeichens fällt im Nachhinein ein Schlaglicht.
Eine reizvolle formale Verbindung besteht auch im Sprachmix von Französisch,
Italienisch und Englisch, der beide Videos prägt: Mastroianni spielt einen
italienischen Maler, der sich mit seiner von Moreau gespielten Gesprächspartnerin
auf Französisch unterhält, während die Untertitel in englischer Sprache
erfolgen. In «luncheon on the grass« bezeichnet ein englischer Titel ein
französisches Meisterwerk, die Tonspur begleitet das Video mit Pavarottis
italienischem Heldentenor. So reflektiert sich auch das Sprachengemisch,
in dem ein globalisiertes Kulturgut heutzutage transportiert wird. |
| Ausstellung: | code flow: «Luncheon on the Grass» |
| Links: | »Zum
Projekt auf der Website von code flow |